In einem Haus, in dem es förmlich zugeht, bereiten Anredeformen mehr Kopfzerbrechen als fast alles andere. Die Sitzordnung lässt sich um sechs Uhr abends noch einmal umzeichnen, und statt Fisch gibt es zur Not eben Kalb. Begrüsst man aber an der Tür den falschen Gast mit «Your Grace», hat der Abend Schlagseite, bevor er richtig angefangen hat. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie einen Herzog, einen Kardinal oder einen Botschafter anreden, mündlich und auf Papier. Er behandelt auch die übrigen Gäste, mit denen ein Privathaus in Italien oder in der Schweiz rechnen sollte. Wir arbeiten selbst damit; die Quellen stehen am Ende. Eine Regel kommt vor allen anderen: Fragen Sie im Büro des Gastes nach.
Kurz gesagt
- Fragen Sie zuerst das Büro des Gastes: Die Bücher liefern die korrekte Form, das Büro die Form, die dieser Mensch tatsächlich verwendet.
- Ein Botschafter ist einmal «Exzellenz» («Your Excellency»), bei der Begrüssung, danach «Herr Botschafter» («Ambassador»), «Sir», «Ma'am» oder der Name. Der Titel gehört zum Posten, und der Ehepartner hat keinen.
- Ein Herzog ist «Duke» für Leute seines Standes und «Your Grace» für das Personal; andere Peers sind «Lord» oder «Lady» mit dem Titel.
- Ein Kardinal ist «Eminenz» («Your Eminence»), ein Bischof «Exzellenz» («Your Excellency»); in Italien ist ein Diözesanpriester «Don» mit dem Vornamen.
- Keine «Exzellenz» auf der Tischkarte: Schreiben Sie die Form, die Sie verwenden würden, wenn Sie mit jemand anderem über den Gast sprechen.
Die Regel vor allen Regeln: das Büro fragen
Jeder Gast von Rang hat jemanden, der seinen Terminkalender führt. Einen Privatsekretär, die Kanzlei einer Botschaft, einen Stabschef, den Sekretär des Bischofs. Diese Leute sagen Ihnen in einer einzigen E-Mail, wie ihr Chef oder ihre Chefin angeredet werden möchte, und sie werden viel lieber vorher gefragt, als hinterher korrigieren zu müssen. Die Bücher geben Ihnen die korrekte Form. Das Büro gibt Ihnen die Form, die dieser Mensch tatsächlich verwendet, und das ist nicht immer dasselbe. Manche Frauen, die einen britischen Adelstitel auf Lebenszeit tragen (Life Peers), hören lieber «Baroness» als «Lady». Debrett’s, die britische Instanz in Sachen Etikette, nennt das zwar technisch nicht korrekt, sagt aber, man solle den Wunsch respektieren.
Etwa zehn Tage vor dem Besuch fragen wir schriftlich nach:
- Wie redet man ihn oder sie im Gespräch an, bei der Begrüssung und danach?
- Was steht auf dem Umschlag, und was auf der Tischkarte?
- Kommt ein Ehemann, eine Ehefrau oder ein Partner mit, und unter welchem Namen?
- Und wie spricht man den Namen aus? Fragen Sie auch dann, wenn Sie sich sicher sind. Cholmondeley klingt wie «Tschamli», und die Briten sind beileibe nicht die Einzigen mit solchen Nachnamen.
Wie auch immer die Antwort ausfällt, sie kommt ins House Book, mit Datum und dem Namen der Person, von der wir sie haben. Kommt dieser Gast das nächste Mal, muss niemand herumtelefonieren, und raten muss auch keiner.
Wie Sie einen Botschafter anreden
Nach Botschaftern werden wir am häufigsten gefragt. Kein Wunder eigentlich: Sie kommen deutlich öfter zum Abendessen als Herzöge. Die Regel ist hier international. Ein Botschafter vertritt ein Staatsoberhaupt, deshalb steht ihm die Anrede Exzellenz zu. Sie sagen einmal «Your Excellency», auf Deutsch «Exzellenz», und zwar bei der Begrüssung; danach heisst es «Ambassador» beziehungsweise «Herr Botschafter» oder schlicht der Name. Debrett’s rät dasselbe: mindestens einmal «Your Excellency», dann «Sir», «Ma’am» oder der Name. Auf Papier beginnt ein förmlicher Brief mit «Your Excellency». Wer den ganz altmodischen Schluss mag, schreibt «I have the honour to be, with the highest consideration, Your Excellency’s obedient servant», sinngemäss also: Ich habe die Ehre, mit vorzüglicher Hochachtung Euer Exzellenz gehorsamer Diener zu sein. Ein freundliches Briefchen ist viel einfacher. «Dear Ambassador», am Ende «Yours sincerely», und das war’s.
Über vier Details stolpern die Leute immer wieder.
- Der Titel gehört zum Posten. Ein britischer Botschafter ist «His Excellency», eine Botschafterin «Her Excellency», aber nur in dem Land, in dem sie akkreditiert sind, nie zu Hause im Vereinigten Königreich. Die britische Botschafterin in Rom ist also bei einem Abendessen am Comer See «Excellency» und schlicht «Ms», sobald sie wieder in Kent ist.
- Eine Frau ist Botschafterin. Auf Englisch heisst sie «ambassador» und nicht «ambassadress», sagt Debrett’s. Die italienische Diplomatenliste sieht es auf ihre Art ähnlich: Missionschefinnen stehen dort als «S.E. Sig.ra», gefolgt vom Namen und «Ambasciatore Straordinario e Plenipotenziario», mit dem männlichen Substantiv.
- Der Ehepartner hat keinen Titel. Wer mit einem Botschafter oder einer Botschafterin verheiratet ist, bleibt Mrs, Mr, Signora oder Signor, auf Deutsch schlicht Frau oder Herr. Debrett’s hält fest, dass dem Ehemann einer Botschafterin überhaupt keine besondere Anrede zusteht. Auf der Tischkarte heisst er einfach «Mr Bergen».
- Der Nuntius hat zwei Hüte auf. Der Botschafter des Papstes ist Erzbischof und Missionschef zugleich. Die italienische Diplomatenliste führt ihn an erster Stelle, noch vor allen Botschaftern, als «S.E. Rev.ma Mons.», und «Your Excellency» oder «Eccellenza», auf Deutsch «Exzellenz», passt für beide Ämter.
Die Schweiz hält es schlichter. Der Leitfaden der Schweizer Armee zum militärischen Protokoll schreibt einem ausländischen Botschafter «Sehr geehrter Herr Botschafter» und verwendet «Exzellenz» überhaupt nicht. Amerikaner sagen meist «Mr Ambassador» oder «Madam Ambassador». Wir briefen das Personal trotzdem für jeden Botschafter auf «Your Excellency» oder «Exzellenz», denn beleidigt war deswegen noch nie jemand.
| Wo | Zur Begrüssung | Danach | Briefanrede | Umschlag |
|---|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich (Debrett’s) | Your Excellency | Ambassador, Sir oder Ma’am, oder der Name | Your Excellency (förmlich); Dear Ambassador (privat) | His/Her Excellency The Ambassador of Norway, oder His/Her Excellency Mr/Ms [Name] |
| Italien | Eccellenza, oder Signor Ambasciatore | Ambasciatore | Eccellenza, oder Signor Ambasciatore | A Sua Eccellenza il Signor / la Signora [Name], Ambasciatore di [Land] |
| Deutschschweiz | Herr Botschafter / Frau Botschafterin | Ebenso, oder der Name | Sehr geehrter Herr Botschafter / Sehr geehrte Frau Botschafterin | Herr Botschafter / Frau Botschafterin, Name, Botschaft |
| USA (gängiger Gebrauch) | Mr Ambassador / Madam Ambassador | Ambassador, oder der Name | Dear Mr Ambassador / Dear Madam Ambassador | His/Her Excellency [Name], Ambassador of [Land] |
Aus der Academy
Einen Botschafter, eine Ministerin oder einen Kardinal zu Hause empfangen, so dass der Gast das Haus bemerkt und nicht die Organisation.
Zum Leitfaden: The Protocol BookDie Royals und die Peers im Vereinigten Königreich
Wie Sie den König anreden, erklärt das Königshaus (der Royal Household) selbst, und zwar kürzer und entspannter, als die meisten erwarten. Wer dem König vorgestellt wird, sagt «Your Majesty» und danach «Sir». Bei der Königin ist es «Your Majesty», dann «Ma’am», mit kurzem «a» wie in «jam», also ungefähr «Mäm». Für die übrige königliche Familie gilt einmal «Your Royal Highness» und für den Rest des Gesprächs «Sir» oder «Ma’am». Früher deuteten Männer eine Verbeugung mit dem Kopf an, Frauen einen kleinen Knicks. Manche Gäste tun das heute noch, die meisten geben inzwischen die Hand, und niemand nimmt das eine oder das andere übel. Das Königshaus schreibt klipp und klar, dass es keine verbindlichen Verhaltensregeln gibt; die Gäste haben also die Wahl. Das Personal ist aber nicht zu Gast, und wir briefen es auf die traditionellen Formen.
Briefe sind weniger furchteinflössend als ihr Ruf. Für einen förmlichen Brief schlägt das Königshaus als Anrede «Sir» vor und als Schluss «I have the honour to be, Sir, Your Majesty’s humble and obedient servant», um gleich hinzuzufügen, dass das keineswegs Pflicht ist. Die anderen Mitglieder der Familie erreicht man über ihre Private Offices, und dort wird auch jeder Besuch geplant.
Bei den Peers, dem titulierten britischen Adel, passieren die meisten Fehler, weil gesprochene und geschriebene Form getrennte Wege gehen. Wer einen Herzog anreden will, stolpert fast immer über genau diese Lücke. Auf dem Umschlag ist ein Herzog «The Duke of [Ort]». Für das Gespräch steht bei Debrett’s «Good morning, Duke», und so reden ihn Leute seines Standes auch an. «Your Grace» ist die förmliche Form, die das Personal verwendet. Amerikanische Ratgeber wie der von Robert Hickey geben «Your Grace» für alle an, und so klingen britische und amerikanische Gäste am selben Tisch mitunter, als sässen sie bei zwei verschiedenen Abendessen.
Unterhalb der Herzöge wird es zum Glück einfacher. Einen Marquess, einen Earl, einen Viscount oder einen Baron reden Sie schlicht mit «Lord [Titel]» an, und ihre Ehefrauen sind «Lady [Titel]». «Earl» und «Baroness» gehören laut Debrett’s auf Umschläge und gedruckte Listen; die Ausnahme bilden die weiter oben erwähnten Frauen mit einem Titel auf Lebenszeit. Knights und Dames hören auf den Vornamen: «Sir John», «Dame Maggie», niemals «Sir Smith». Die Ehefrau eines Knights oder Baronets ist «Lady Smith», ohne ihren Vornamen.
| Gast | Zur Begrüssung | Danach | Briefanrede | Umschlag |
|---|---|---|---|---|
| Der König | Your Majesty (Majestät) | Sir | Sir | His Majesty The King |
| Die Königin | Your Majesty (Majestät) | Ma’am (wie in «jam») | Madam | Her Majesty The Queen |
| Prinz oder Prinzessin (Royal Highness) | Your Royal Highness (Königliche Hoheit) | Sir / Ma’am | Sir / Madam | His/Her Royal Highness The Prince/Princess [Titel] |
| Herzog, Herzogin | Duke / Duchess (gesellschaftlich); Your Grace (Personal, förmlich) | Ebenso | Dear Duke / Dear Duchess (sehr förmlich: My Lord Duke) | The Duke / Duchess of [Ort] |
| Marquess, Earl, Viscount, Baron | Lord [Titel] | Lord [Titel] | Dear Lord [Titel] | The Earl of [Ort]; The Lord [Titel] bei einem Baron |
| Ihre Ehefrauen | Lady [Titel] | Lady [Titel] | Dear Lady [Titel] | The Countess of [Ort]; The Lady [Titel] |
| Knight, Dame | Sir John / Dame Mary | Ebenso | Dear Sir John / Dear Dame Mary | Sir John Smith / Dame Mary Smith |
In Italien ist das eine ganz andere Geschichte. Die Verfassung sagt es ohne Umschweife: «I titoli nobiliari non sono riconosciuti». Adelstitel werden nicht anerkannt, und die Prädikate von Titeln, die vor dem 28. Oktober 1922 bestanden, gelten als Teil des Namens. Gesellschaftlich führen viele Familien sie trotzdem weiter: Ein Gast, der als «il conte» vorgestellt wird, ist für das Personal «Signor Conte».
Italienische und Schweizer Amtsträger
Der italienische Staat hat die meisten seiner Ehrentitel auf dem Papier abgeschafft und viele davon im Gespräch behalten. Der Präsident der Republik ist «Signor Presidente». Mündlich gilt das auch für die Präsidenten der beiden Kammern und für den Präsidenten des Ministerrats, also den Regierungschef. Ein Minister ist «Signor Ministro» oder einfach «Ministro». Abgeordnete heissen «Onorevole», und das ist, wie die Online-Zeitung Il Post festgehalten hat, Brauch und nicht Gesetz, geerbt vom Parlament des alten Königreichs Sardinien. Senatoren sind «Senatore» oder «Senatrice».
Heikel wird es bei «Eccellenza». Ein königliches Dekret von 1927 verlieh die Anrede den höchsten Ämtern des Staates; ein Dekret von 1945 ordnete an, sie nicht mehr zu verwenden, wurde aber nie in ein Gesetz umgewandelt. In der Praxis werden Präfekten, also die Vertreter der Regierung in den Provinzen, und die Richter am Kassationshof noch immer häufig mit «Eccellenza» angeredet, und wer das Wort weglässt, macht auch keinen Fehler. Botschafter und Bischöfe behalten es aus eigenen Gründen, diplomatischen und kirchlichen.
Dann sind da die Berufstitel, und mit denen ist Italien grosszügig. Wer einen Hochschulabschluss hat, ist «Dottore» oder «Dottoressa»; ein Anwalt ist «Avvocato», ein Ingenieur «Ingegnere», direkt ins Gesicht gesagt und ernst gemeint. Wer aus Wien kommt, fühlt sich da gleich zu Hause. Kommt ein Gast am Freitag an und wird als «l’avvocato» vorgestellt, bleibt er für das Personal «Avvocato», bis sein Wagen am Sonntag abfährt. Bei den weiblichen Formen ist noch vieles offen. Manche Amtsträgerinnen wollen «la ministra», andere bestehen auf der männlichen Form. Fragen Sie nach.
Italien hat seine Rangfolge schriftlich festgelegt, was hilft, wenn an einem Abend mehrere Amtsträger am Tisch sitzen. Die Reihenfolge steht in einem Dekret des Präsidenten des Ministerrats vom 14. April 2006, das 2008 nachgebessert wurde. Kein Privathaus ist daran gebunden. Kommen aber ein Präfekt und ein Regionalpräsident zum selben Essen, klärt das Dekret die Sitzordnung, bevor sich jemand übergangen fühlt.
Im eigenen Land kommt die Schweiz für ihre Amtsträger ohne «Exzellenz» aus. Ein Mitglied des Bundesrates (in der Schweiz ist das die Regierung, nicht wie in Deutschland und Österreich die Länderkammer) ist schlicht «Herr Bundesrat» oder «Frau Bundesrätin», und genauso beginnt auch der Brief: «Sehr geehrter Herr Bundesrat», «Sehr geehrte Frau Bundesrätin». Eine Sache erwischt viele auf dem falschen Fuss. Das Bundespräsidium wechselt jedes Jahr unter den sieben Mitgliedern, und so ist der «Herr Bundespräsident» vom Dezember am 1. Januar wieder schlicht «Herr Bundesrat». Eine Tischkarte, die früh gedruckt wurde, kann am Abend des Essens also schon falsch sein. In den Kantonen ist ein Regierungsmitglied «Herr Regierungsrat», wo Deutsch gesprochen wird, «Monsieur le Conseiller d’État» in Genf oder in der Waadt und «Signor Consigliere di Stato» im Tessin. Wer einer Gemeinde vorsteht, ist «Herr Gemeindepräsident» oder «Frau Gemeindepräsidentin».
Am 15. Juni 2026 hat die Schweiz ein neues Protokollreglement eingeführt. Es ist für offizielle Anlässe geschrieben und nicht für ein Abendessen bei jemandem zu Hause, aber eine Zeile darin würden wir uns gern ausleihen. Möchte das diplomatische Korps ein Mitglied des Bundesrates bei einem Mittag- oder Abendessen ihm oder ihr zu Ehren dabeihaben, geht die Einladung über das Protokoll und nicht direkt an die Person. Ihr Haus ist natürlich keine Botschaft. Den Wink verstehen kann es trotzdem, und seine Einladung schickt es dann eben über das Büro des Bundesrates oder der Bundesrätin.
| Amt | Mündlich | Briefanrede |
|---|---|---|
| Präsident der Italienischen Republik | Signor Presidente | Signor Presidente |
| Italienischer Minister | Signor Ministro, oder Ministro | Signor Ministro |
| Italienischer Abgeordneter / Senator | Onorevole / Senatore, Senatrice | Onorevole / Gentile Senatore |
| Präfekt | Eccellenza, oder Signor Prefetto | Signor Prefetto |
| Bürgermeister in Italien | Signor Sindaco | Signor Sindaco |
| Mitglied des Schweizer Bundesrates | Herr Bundesrat / Frau Bundesrätin; Monsieur le Conseiller fédéral / Madame la Conseillère fédérale; Signor Consigliere federale / Signora Consigliera federale | Sehr geehrter Herr Bundesrat / Sehr geehrte Frau Bundesrätin |
| Mitglied einer Kantonsregierung | Herr Regierungsrat; Monsieur le Conseiller d’État; Signor Consigliere di Stato | Sehr geehrter Herr Regierungsrat |
Wie Sie einen Priester, einen Bischof oder einen Kardinal anreden
Die Kirche wäre nicht die Kirche, hätte sie ihre Titel nicht schriftlich geregelt: 1969, in einer Instruktion des Staatssekretariats über Kleidung, Titel und Wappen der Kardinäle, Bischöfe und niederen Prälaten. Danach ist ein Kardinal «Eminenz», ein Bischof «Exzellenz», und bei beiden darf ein «Most Reverend» (Hochwürdigst) dazukommen. Für die direkte Anrede nennt die Instruktion «Lord Cardinal» (italienisch «Signor Cardinale», deutsch «Herr Kardinal») und für einen Bischof «Monsignor». Darüber sind in gut fünfzig Jahren natürlich allerlei örtliche Gewohnheiten gewachsen.
Jenseits des Ärmelkanals ändern sich die Wörter: In Grossbritannien und Irland ist ein Bischof noch immer «My Lord» und ein Erzbischof «Your Grace», zumindest im Mund älterer Gäste. Italien pflegt für Priester einen eigenen Brauch. Ein Diözesanpriester ist «Don» mit seinem Vornamen, «Don Paolo»; ein Priester aus einem Orden heisst meist «Padre». Wer mit dem Gast Deutsch spricht, sagt zum Papst «Heiliger Vater», zum Kardinal «Eminenz» und zum Bischof «Exzellenz».
| Gast | Mündlich (Englisch) | Mündlich (Italienisch) | Schriftlich (Englisch) | Schriftlich (Italienisch) |
|---|---|---|---|---|
| Der Papst | Your Holiness, Holy Father | Santità, Santo Padre | His Holiness Pope [Name] | Sua Santità Papa [Name] |
| Kardinal | Your Eminence | Eminenza | His Eminence Cardinal [Name] | Sua Eminenza Reverendissima il Signor Cardinale [Name] |
| Erzbischof, Bischof | Your Excellency | Eccellenza, Monsignore | The Most Reverend [Name] | Sua Eccellenza Reverendissima Mons. [Name] |
| Apostolischer Nuntius | Your Excellency | Eccellenza | His Excellency The Most Reverend [Name], Apostolic Nuncio | S.E. Rev.ma Mons. [Name], Nunzio Apostolico |
| Monsignore | Monsignor | Monsignore | The Reverend Monsignor [Name] | Rev.mo Mons. [Name] |
| Priester | Father | Don (Diözesanpriester), Padre (Ordenspriester) | The Reverend [Name] | Rev.do Don [Name] |
Tischkarten, Umschläge und das Vorstellen
Fehler auf Papier halten länger. Ein Versprecher an der Tür ist vergessen, bis die Suppe kommt; ein falscher Umschlag liegt eine Woche lang auf jemandes Schreibtisch. Debrett’s unterscheidet dabei zwischen Karte und Umschlag, und diese Trennung finden wir praktisch. Auf der Einladungskarte stehen Namen und Titel vollständig, aber ohne die Buchstabenkürzel hinter dem Namen. Auf den Umschlag gehört der volle Berufstitel, samt Orden und Auszeichnungen. Bei offiziellen Anlässen ist es noch einmal anders: Dort nennt der Umschlag den Gast nach seinem Amt, und Zusätze wie «His Grace» oder «His Excellency» entfallen (einzige Ausnahme ist «The Rt Hon» für Mitglieder des Privy Council).
Tischkarten in einem Privathaus fallen kürzer aus. Wir schreiben die Form, die Sie verwenden würden, wenn Sie mit jemand anderem über den Gast sprechen: «Lord Aldford», «Der Botschafter von Norwegen», «Kardinal Rossi», «Signora Bianchi». Ehepartner bekommen eine eigene Karte mit ihrem eigenen Namen. «Exzellenz» hat auf einer Tischkarte nie etwas verloren: Das wirkt wie eine Menükarte, die stolz verkündet, wie teuer der Wein war. Wo welche Karte auf dem Tisch steht, erklärt unser Beitrag wie man eine festliche Tafel eindeckt.
Für das Vorstellen gibt es eine alte Regel. Die rangniedrigere Person wird der ranghöheren vorgestellt, der Titel fällt einmal, und dann geben Sie den beiden einen Gesprächsfaden in die Hand. «Exzellenz, darf ich Ihnen Signora Bianchi vorstellen? Sie hat die Fresken in unserer Bibliothek restauriert.» Der zweite Satz zählt so viel wie der Name. Er gibt zwei Fremden etwas, worüber sie reden können.
Die gesprochene Form, die Aussprache und den Namen des Ehepartners schreiben Sie auf das Gästeblatt für das Personal. Das Personal bleibt während des ganzen Besuchs bei der förmlichen Anrede, auch nachdem der Gast gesagt hat: «Ach, sagen Sie doch einfach Charles.» Der Gast ist freundlich; das Personal ist bei der Arbeit.
Wenn die Ratgeber sich widersprechen
Das tun sie öfter, als ihr Ton vermuten lässt: bei Herzögen, bei Bischöfen, bei «Eccellenza», bei Frauen in Ämtern. Wo die Bücher sich widersprechen, folgen wir dem Büro des Gastes. Hat das Büro keine Meinung, nehmen wir auf Papier die förmlichere Form und im Gespräch die wärmere.
Die Formen, die wir am häufigsten brauchen, stehen auf einer einzigen Seite, in unserer Karte der Anreden. Sie ist kostenlos zum Herunterladen und passt in die Schublade des Tischchens in der Eingangshalle. Das ganze System, mit Sitzordnung, Rangfolge, Einladungen und dem Gästeblatt, das wir dem Team übergeben, steht in The Protocol Book. Steht ein Besuch bevor und möchten Sie das Team von jemandem briefen lassen, der so etwas schon gemacht hat, gehört das zu unserer Haushaltsberatung. Die Anrede ist nur die erste Minute eines Besuchs. Was danach kommt, steht in unserem Beitrag darüber, wie Sie einen VIP-Gast zu Hause empfangen, und sobald alle sitzen, übernehmen die Regeln des italienischen Galateo, die Gästen auffallen.
Fragen
Wie redet man einen Botschafter an?
Sagen Sie einmal «Exzellenz» («Your Excellency»), bei der Begrüssung, und gehen Sie dann zu «Herr Botschafter» oder «Frau Botschafterin» über, auf Englisch zu «Ambassador», «Sir» oder «Ma'am», oder zum Namen. Ein förmlicher englischer Brief beginnt mit «Your Excellency», eine persönliche Notiz mit «Dear Ambassador». Ein britischer Botschafter ist nur im Land seines Postens «Excellency», nicht zu Hause.
Wie redet man einen Herzog an?
Gesellschaftlich mit «Duke» oder «Duchess»; «Your Grace» ist die förmliche Form, die das Personal verwendet. Auf dem Umschlag steht «The Duke of [Ort]». Amerikanische Ratgeber geben meist für alle «Your Grace» an.
Was gehört auf eine Tischkarte?
Die Form, die Sie verwenden würden, wenn Sie mit jemand anderem über den Gast sprechen: «Lord Aldford», «Der Botschafter von Norwegen», «Kardinal Rossi», «Signora Bianchi». Ehepartner bekommen eine eigene Karte mit ihrem eigenen Namen.
Wir schreiben das Journal aus unserer eigenen Arbeit in Privathäusern in Italien und der Schweiz. Jedes Haus hat seine eigenen Regeln: Nehmen Sie, was zu Ihrem passt, und fragen Sie uns nach dem Rest.
Liorènne House
Wir können den Besuch mit Ihrem Team vorbereiten und am Tag selbst im Haus sein, einer von uns persönlich.
Quellen
- The Royal Household, Greeting a member of the Royal Family
- The Royal Household, Contact: writing to The King
- Debrett’s, Forms of address: diplomatische Ränge und der diplomatische Dienst
- Debrett’s, The trouble with titles
- Debrett’s, Addressing invitations
- Robert Hickey, Honor & Respect: how to address a duke or duchess
- Ministero degli Affari Esteri, Cerimoniale Diplomatico della Repubblica, Lista diplomatica (14. August 2026)
- Il Post, «Sua Amplissima Eccellenza Imperiale» (15. Februar 2016)
- Costituzione della Repubblica Italiana, Übergangs- und Schlussbestimmung XIV
- Presidenza del Consiglio dei Ministri, Bestimmungen zu Zeremoniell und Rangfolge (DPCM vom 14. April 2006 und 16. April 2008, konsolidierte Fassung)
- Schweizer Armee, Leitfaden Militärprotokoll: Anrede von Persönlichkeiten (1. April 2021)
- Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, Protocol Regulations of the Swiss Confederation (2026)
- Staatssekretariat, Instruktion über Kleidung, Titel und Wappen der Kardinäle, Bischöfe und niederen Prälaten (31. März 1969), englische Ausgabe
Ein Besuch
Zwei Tage im Haus
Ein Besuch, eine ehrliche Bestandsaufnahme und ein schriftliches House Book, damit das Haus gut läuft, mit uns oder ohne uns.
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